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Syrien: Orientexperte erhebt schwere Vorwürfe gegen den Westen

Als vor wenigen Tagen die Beobachtermission der Arabischen Liga in Syrien gestoppt wurde, war die Sachlage in den Medien klar: Assad hat die Gewalt nicht beendet, das Morden Unschuldiger geht weiter. Unterdessen liefert die in London ansässige „Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte“ Informationen über die genaue Situation und die Zahl der Toten. Überprüfbar sind die Informationen natürlich nicht, dennoch werden sie unkritisch von allen Medien zitiert.

Nun hat der Orientexperte Prof. Dr. Günter Meyer von der Universität Mainz in einem Interview des Radiosenders Bayern 2 eine ganz andere Wahrheit verbreitet. Die Frage, ob die Beobachtermission gescheitert sei, verneint er klar. So sei die Zahl der Toten deutlich gesunken, sehr viele Gefangene seien freigelassen worden und überhaupt würden die westlichen Medien das völlig falsche Bild vermitteln, dass es sich einzig um Gewalt des Regimes gegen friedliche Demonstranten handeln würde. Meyer schildert eine völlig andere Sachlage:

Es ist ganz offensichtlich, dass wir es mit einer bewaffneten terroristischen Organisation zu tun haben, die für einen sehr großen Teil der Toten im Lande ebenfalls verantwortlich ist. Das ist durchaus auch in dieser Situation herausgekommen. Das heißt, wir haben eine klare Anti-Sichtweise gegen das Regime, eine Sichtweise, die massiv gestärkt wird durch die Interessen insbesondere der USA, aber auch durch die westlichen Verbündeten England, Frankreich, nicht zuletzt auch Deutschland. Es geht in erster Linie darum, die Achse Iran, Syrien, Hisbollah auszuschalten.

Der Radiomoderator fragt irritiert, es klinge „fast wie eine westliche Verschwörung gegen Syrien“. Meyer erhebt daraufhin schwere Vorwürfe gegen den Westen, der in Syrien einen Bürgerkrieg entfachen würde:

Wir haben es mit einem massiven Eingreifen von außen zu tun. Nicht zuletzt Berichte darüber, dass etwa 600 Mudschaheddin aus Libyen eingeflogen sind, initiiert vom CIA. CIA-Beamte, Geheimdienstbeamte, Frankreich und Großbritannien genauso, bilden Oppositionelle aus, rüsten sie aus in der Nähe von Iskenderia, nahe der syrischen Grenze, rüsten sie aus mit den Waffen, die aus den Arsenalen von Gaddafi herübergebracht werden, um hier einen Bürgerkrieg zu initiieren, um das Land insgesamt zu schwächen.

Auch betont Meyer, dass Assad nach wie vor die Mehrheit des syrischen Volkes hinter sich hat, wie eine Untersuchung der Katar-Stiftung ergeben habe. Dieses kurze Radiointerview präsentiert die Situation in Syrien völlig anders, als wir es seit Monaten in den Medien zu hören bekommen. Wie schon beim Libyeneinsatz handelt es sich auch hier aller Wahrscheinlichkeit nach um geostrategische Maßnahmen des Westens, die durch massive Propaganda verheimlicht werden. Sollten Meyers Vorwürfe stimmen und tatsächlich durch westliche Geheimdienstaktivitäten ein Bürgerkrieg ausgelöst werden, dann wäre Assad kaum vorzuwerfen, dass er diesen von außen initiierten Umsturzversuch mit Militärgewalt niederschlägt. Die Leidtragenden sind die Zivilisten.

 

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Syrien: Auszüge aus dem Bericht der Beobachtermission

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Libyen: Gaddafi ermordet, was nun?

Gaddafi ist tot. Über die genauen Umstände seiner Ermordung gibt es allerdings widersprüchliche Aussagen. Handyvideos zeigen verstörende Bilder eines offenbar bereits schwer verletzten Gaddafi, der von Rebellen auf eine Motorhaube gehievt wird. Ein anderes Video zeigt einen wütenden Mob, der auf den über den Boden stolpernden Mann einschlägt. Und noch ein Clip zeigt, wie die Leiche des Ex-Diktators über den Boden gezerrt wird, während auf seinen Kopf eingetreten wird.

Derlei brutale Szenen sind sicherlich nicht im Sinne der Vereinten Nationen, die angeblich zum Schutz der libyschen Zivilbevölkerung am 17. März 2011 die Resolution 1973 verabschiedet hatten. Anfangs wurde zwar beteuert, Ziel sei kein Regimewechsel. Doch dass genau hierin das unausgesprochene Ziel des NATO-Einsatzes bestand, zeigte sich schon bald nach Beginn der Luftangriffe unverhohlen. Wie immer gebärdeten sich die westlichen Mächte als Retter in schwerer Not, während Gaddafi vorgeblich „Krieg gegen das eigene Volk“ führte. Diese Floskel trug maßgeblich dazu bei, dass in der westlichen Hemisphäre der Militäreinsatz als „humanitärer“ akzeptiert wurde. Faktisch handelte es sich mitnichten um einfache Zivilisten, die der Diktator bekämpfen ließ, sondern um bewaffnete Rebellen – ebensolche, die im Irak und in Afghanistan als „Terroristen“ von den USA und ihren Verbündeten gejagt werden.

Sehr viel wahrscheinlicher handelt es sich beim Libyeneinsatz um einen weiteren geostrategischen Schachzug der USA und ihrer Verbündeten. So wurde bereits im Oktober 2007 das United States Africa Command (AFRICOM) als sechstes Regionalkommando der US-Streitkräfte aufgestellt. Weil die USA bis 2015 voraussichtlich 25% ihres Ölbedarfs aus Afrika beziehen werden, erfolgte seit 2002 gezieltes Lobbying, um die amerikanische Militärpräsenz in Afrika zu steigern – besonders im Hinblick auf den aufsteigenden Kontrahenten in der Region: China. Derzeit hat AFRICOM zwar noch seinen Sitz in Stuttgart, doch wäre es kaum verwunderlich, wenn das Regionalkommando bald nach Libyen umziehen würde. Auch ist die Rolle AFRICOMs am Libyeneinsatz unklar. Offiziell haben die USA den Einsatz vom europäischen Kommando EUCOM aus geführt, das zusammen mit der NATO von Admiral James Stavridis geleitet wurde. Doch gehen Analysten davon aus, dass AFRICOM in Geheimdienstaktivitäten eingebunden ist, die bis hin zur Unterstützung der libyschen Rebellen reichen könnten.

US-Regionalkommandos weltweit:

Der kanadische Journalist Mahdi Nazemroaya, der sich seit Ausbruch der Unruhen in Tripolis aufgehalten hat, erkennt in der Strategie der Westmächte klare neokoloniale Bestrebungen:

AFRICOMs Hauptaufgabe ist es, den afrikanischen Kontinent für die USA und ihre Alliierten sicher zu machen. Sein Auftrag ist es, eine neue koloniale Ordnung in Afrika zu sichern, an deren Durchsetzung die USA und ihre Verbündeten arbeiten. In vielfacher Hinsicht dreht sich die militärische Intervention in Libyen genau darum. […] Die USA und ihre Alliierten formulieren nicht nur eine neue Strategie zur Aufrechterhaltung und Vertiefung ihrer Kontrolle über Afrika, sondern sie arbeiten daran, China und seine Verbündeten aus Afrika zu vertreiben. Die USA und viele Staatsmächte der EU haben China über Jahre nervös beobachtet. China hat sich viele zentrale Zugänge nach Afrika verschafft und ist dort ein strategischer und wirtschaftlicher Hauptrivale und Herausforderer gegenüber den USA und Westeuropa.

Nach dem Tod Gaddafis wird sich nun zeigen, ob Libyen einen wahren Aufstand des Volkes gegen seinen Despoten erlebt hat oder ob die scheinbare Revolution nur eine weitere Maßnahme des Westens war, die Vorherrschaft in Afrika zu sichern. Immerhin besteht die Chance, diesen Zielen eine Absage zu erteilen und die immensen fossilen Ressourcen zum Aufbau eines selbstbestimmten libyschen Staates zu nutzen. Wahrscheinlich wird es aber anders kommen: Libyen könnte zum Brückenkopf der imperialen Politik des Westens auf dem afrikanischen Kontinent ausgebaut werden, und womöglich wird schon bald ein neuer Diktator ebenso vom Westen hofiert werden, wie einst Gaddafi, Mubarak, Saddam Hussein und viele mehr.


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