Die gefährliche These des Gunnar Heinsohn

Gunnar Heinsohn

Gunnar Heinsohn

Was wäre wohl geschehen, wenn Gunnar Heinsohn seinen Artikel in der FAZ statt im Wall Street Journal veröffentlicht hätte? Der Leiter des Raphael Lemkin Instituts für Xenophobie und Genozidforschung vertritt eine Grundüberzeugung, die ihm geradezu als Welterklärungsformel dient und die auch auf dem Büchermarkt reißenden Absatz erfuhr. Heinsohn glaubt nämlich die Ursache für Krieg und Gewalt entdeckt zu haben: in sogenannten „youth bulges„. Diese demographischen „Jugendbeulen“ sind dann gegeben, wenn die 15-24 Jährigen mindestens 20% der Gesellschaft ausmachen. Dann wird es nach Heinsohn ungemütlich, dann nämlich leben die überschüssigen jungen Männer ihre Energie in Krieg und Terror aus. Um seine Theorie zu untermauern, greift er auch weit in die Geschichte zurück: So vertritt er in einem seiner Bücher die umstrittene These, die Hexenverfolgung habe in Wahrheit auf Methoden der Verhütung gezielt, die den Kräuterfrauen noch bekannt waren. Erst durch ein Verhütungsverbot habe Europa es zur Weltmacht geschaft, durch eine „youth bulge“ natürlich.

Nun hat Heinsohn einen Artikel für das Wall Street Journal geschrieben mit dem Titel „Ending the West’s Proxy War Against Israel. Stop funding a Palestinian youth bulge, and the fighting will stop too.“ Seine zynische Argumentation lautet zusammengefasst: Indem das UN-Flüchtlingshilfswerk für Palästina UNRWA, das zu gut 80% von den USA und der EU finanziert werde, den notleidenden Bewohnern des Gazastreifens humanitäre Hilfe zukommen lasse, betreibe der Westen einen Stellvertreterkrieg gegen Israel. Denn damit füttere man die „youth bulge“ und schaffe ein neues Heer von Kämpfern gegen Israel. In Gunnar Heinsohns Weltbild sind palästinensische Jugendliche ausschließlich zukünftige Kämpfer.

Some 230,000 Gazan males, aged 15 to 29, who are available for the battlefield now, will be succeeded by 360,000 boys under 15 (45% of all Gazan males) who could be taking up arms within the coming 15 years.

Um Israel vor dieser Gefahr zu bewahren, schlägt Heinsohn vor, innerhalb der kommenden 15 Jahre 200.000 Palästinenser in den USA oder der EU aufzunehmen, „that would be a negligible move for the big democracies but a quantum leap for peace in the Near East.“

Es sollte nachdenklich stimmen, dass Gunnar Heinsohns These nicht nur im Kreise der Sarrazin-Leser auf positive Resonanz stößt. So fordert er, dass das Elterngeld in Deutschland für arme Familien gestrichen wird. Heinsohn hält auch Vorträge für den Bundesnachrichtendienst (BND), die Bundesakademie für Sicherheitspolitik, die britische Armee und die NATO.

2 Responses to “Die gefährliche These des Gunnar Heinsohn”


  1. 1 ökolib 19. April 2015 um 22:50

    Heinsohns Thesen sind nicht gefährlich. Sie brechen gleichwohl ein Tabu. Weitsichtig und politisch unkorrekt hat er die konfliktpolitischen Konsequenzen eines demographischen Überschusses von 15 -25 jährigen Männern nicht nur beschrieben sondern vorhergesagt. Weite Teile Afrikas wie auch Teile des sog. Nahen Ostens befinden sich einer demographischen Falle (zu viele junge Männer). Ebenso aufschlussreich ist die Entwicklung der durchschnittlichen Ackerfläche pro Familie in weiten Teilen Afrikas. Jared Diamond hat auf belgische Forschungsergebnisse zur Korrelation zwischen gestiegenen Erbschaftsstreitigkeiten um Land und der gestiegenen Konfliktbereitschaft in Ruanda, die letztlich im Völkermord endete, hingewiesen. Malthusianische Konstellationen sind häufiger als sich die europäischen Gutmenschen vorstellen können. Die irische Hungerkrise des 19. Jahrhunderts mit vielen Toten hätte ohne Auswanderungsmöglichkeit in die USA ganz andere Züge angenommen.
    Bei aller Humanität sollte gelten: Sehen was ist!

  2. 2 Frank Albohn 3. Januar 2016 um 23:42

    Prof. Heinsohn stellt zumindest diskussionswürdige Thesen in den Raum – selbstverständlich gibt es einen Zusammenhang zwischen der Anzahl von jungen Männern ohne Zukunftsperspektive und der Gefahr von kriegerischen Konflikten! Denkverbote und Maulkörbe helfen hier (auch angesichts der aktuellen Flüchtlingskrise) nicht weiter, sondern fördern nur rechtes Gedankengut und Verschwörungsphantasien bei jenen Andersdenkenden, welche man nicht mitdiskutieren lassen will! „Spielt nicht mit den Schmuddelkindern…“


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