Bin Laden angeblich von US-Kommando ermordet

Tötung per Videokonferenz (Reuters/White House)

Der angebliche Tod Osama Bin Ladens, der heute weltweit triumphal alle Medien dominiert, lässt in den USA eine Welle patriotischen Jubels anschwellen. Immerhin haben sich die Amerikaner am 11. September 2001 in ihrer Selbstwahrnehmung als unbezwingbare Supermacht zutiefst gekränkt gefühlt. Fast zehn Jahre sind vergangen, Kriege mit hunderttausenden Toten wurden geführt und nun wurde der Superschurke also endlich beseitigt.

In diesen zehn Jahren haben die etablierten Medien in gleichgeschalteter Manier die Sichtweise der Regierung Bush bezüglich des mutmaßlichen Terroristen in den Äther geblasen, als gäbe es keinen Grund zur genauen Recherche. Auch unter Obama ist kein Wandel erfolgt. Indem die gleichen Medien heute in exakt das gleiche Horn blasen, machen sie so manchen kritischen Bürger wie mich recht ratlos. Keine leiseste Spur von Zweifeln an den genauen Vorgängen damals am 11. September 2001 in New York und Washington, nicht der geringste Hinweis auf Zweifel, ob Osama Bin Laden überhaupt der Planer dieser mörderischen Ereignisse war.

Bis heute befindet sich im FBI-Steckbrief, der in alter Wildwest-Manier mit „Most Wanted Terrorists“ überschrieben ist, kein Hinweis auf die 9/11-Attacken, weil es keine stichhaltigen Beweise gibt. Auch das afghanische Taliban-Regime hatte nach Beweisen verlangt, als die Amerikaner die Auslieferung des mutmaßlichen Terroristen forderten. Bekanntlich haben die USA nicht lange gefackelt und mitsamt ihren Verbündeten die Invasion gestartet.

Die Beweise gibt es bis heute nicht, wenngleich die Medien den Verdacht ungeniert als Tatsache aussprechen. Auch die Kommandoaktion, die den Saudi heute zur Strecke brachte, lässt Fragen offen. Auf direkten Befehl Obamas wurde die Villa gestürmt, Bin Laden anstatt ihn zu verhaften und vor Gericht zu stellen gleich vor Ort exekutiert. Nach einer Entnahme von Genproben wurde er ins Meer geworfen, oder wie es offiziell heißt „im Einklang mit den muslimischen Traditionen“ bestattet. Erst dann wurde die Genprobe untersucht, um sicher zu gehen, dass auch der Richtige ermordet wurde.

Ein sonderbares Vorgehen, müsste jeder zivilisierte, rechtsstaatliche Prinzipien gewohnte Mensch denken. Doch nicht so die Vertreter aus Politik und Medien. Die Repräsentanten unserer freien Demokratien äußern sich mit Genugtuung und Freude, wie die folgenden zufällig gewählten Beispiele zeigen:

Außenminister Guido Westerwelle: Dass diesem Terroristen sein blutiges Handwerk gelegt werden konnte, ist eine gute Nachricht für alle friedliebenden und freiheitlich denkenden Menschen in der Welt.

Bundeskanzlerin Merkel: Ich freue mich darüber, dass es gelungen ist, Bin Laden zu töten.

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu: Israel ist nach der Liquidierung Bin Ladens in Freude mit dem amerikanischen Volk vereint.

Wir sollten uns ernsthaft fragen, wie es dazu kommen konnte, dass ganze zehn Jahre lang ein Mann kontinuierlich eines Verbrechens bezichtigt wurde, ohne dass in dieser Zeitspanne der kleinste Beweis erbracht wurde. Wir sollten uns ernsthaft fragen, welchen Bestand unsere Werte noch haben, wenn ein Mann ohne Gerichtsprozess an Ort und Stelle hingerichtet und das Ganze dann lautstark als Sieg einer freien demokratischen Welt gefeiert wird. Der heutige Tag muss ein schwarzer Tag sein für alle Menschen, denen die freiheitlichen und rechtsstaatlichen Werte, die in unseren Verfassungen verankert sind, noch etwas bedeuten.

4 Responses to “Bin Laden angeblich von US-Kommando ermordet”


  1. 1 ephemeridenzeit 2. Mai 2011 um 20:59

    Ja, zu den internationalen Lynchjustiz-Feierlichkeiten applaudieren Angela ‚Engel‘ Merkel und Bundesinnenminister Friedrich ganz laut und freudig. Heißt ihre Definition von ‚Verteidigung der Freiheit‘ doch offensichtlich nichts anderes als Freiheit von lästiger Rechtssicherheit. Und die lieben Öffentlich-Rechtlichen summen im Liquidierungs-Chor mit und niemand fragt, wieso wir einen Internationalen Gerichtshof haben, Internationales Völkerrecht, die Menschenrechte und derlei Petitessen mehr?

  2. 2 Charlie 7. Mai 2011 um 05:55

    Ich weiß nicht, ob Osama bin Laden verantwortlich war für 9/11. Ich weiß auch nicht, ob wirklich dieser Mann von dem US-Kommando in Pakistan erschossen wurde. Aber ich weiß: Ganz egal, wer da erschossen und was ihm vorgworfen wurde – diese Tötung war ein hinterhältiger und durch nichts zu rechtfertigender Mord, der mit Begriffen wie „Freiheit“, „Demokratie“ oder „Rechtsstaat“ genauso viel gemein hat wie Nordkorea, Stalin oder Berlusconi.

    Dass die neoliberale Bande – nicht nur hierzulande – dieses Ereignis begrüßt und grinsend beklatscht, liegt da auf der Hand.

    Welch eine Perfidie, dass Merkel ihre unverhohlene Freude über diesen Mord inzwischen vom seibernden Regierungssprecher zu relativieren versucht hat, indem sie „in den Kontext der Pressekonforenz“, während der sie zum Ausdruck gebracht wurde, „einzuordnen“ sei. Ah ja. Ein wahre „Christin“ bei den „Christdemokraten“ – da wird mir einmal mehr speiübel.

  3. 3 Nuntius 7. Mai 2011 um 09:03

    Ihr habt natürlich vollkommen recht. Es war eine moderne Form von Lynchjustiz, denn rechtskräftige Beweise gab es keine. Hier haben die internationalen Medien die Rolle eines Gerichtes übernommen und durch tausendfache Behauptung der Schuld Bin Ladens vom ersten Tag an das Urteil gesprochen: Todesstrafe.
    Im Heutigen Kommentar der FAZ wird aber unbeirrt gewarnt vor „Spekulationen“ und insbesondere vor „Menschenrechtsdogmatismus“. Wir haben KEINE freien Medien mehr. Und die Menschenrechte gelten nur noch als Propagandistrument, wenn es darum geht China, Russland oder Iran zu diskreditieren.

  4. 4 Zarl 22. Mai 2011 um 14:31

    Tja, legt man die idealen Maßstäbe (Menschenrechte, Rechtsstaatliche Prinzipien…) an die westliche Welt unter Führung der USA, muss man selbstverständlich – wie in den Beiträgen beschrieben – von Lynchjustiz oder Menschenrechtsverletzung sprechen. Darüber hinaus kann man – aufgrund der im Meer „bestatteten“ Leiche – weitere Verschwörungstheorien konstruieren, die im Einklang mit den Fragen „Waren die Amerikaner wirklich auf dem Mond?“ oder „Haben die Amerikaner den 11.09. selbst inszeniert?“ stehen.
    Das Problem dabei ist, dass man mittels solcher Fragen und Theorien den Blick für die Situation verliert. Anstatt sich zu überlegen, warum die Obama-Regierung solch eine Entscheidung trifft, konstruiert man wieder einen großen schwarzen Mann, der die Weltherrschaft an sich reißen möchte, und prophezeit das Ende der Freiheit.
    Mit einer Öffnung des Sichtfeldes lässt die Sache zumindest relativieren. Eine Supermacht, die seit 1996 mit Osama bin Laden und seiner staatenlosen Organisation Al-Qaida im Krieg liegt und über Jahre überall auf der Welt mit terroristischen Maßnahmen attackiert wird (ob Osama bin Laden direkt beteiligt ist oder nicht, spielt keine Rolle), muss letztlich Vollzug melden. Natürlich medienwirksam. Und den Umständen angemessen. Die Entscheidung Osama bin Laden gleich zu liquidieren, wird sich aus unterschiedlichen Argumenten und Argumentationen (emotional und rational) zusammensetzen. So ist das Sicherheitsrisiko, dass eingegangen werden müsste (Al-Qaida könnte mit Geiselnahmen die Freilassung zu erpressen versuchen) sehr hoch, ebenso die Kosten für die Bewachung und den Transport des Angeklagten. Dies ist bei einer solchen (weltpolitischen) Entscheidung zu beachten. Außerdem würde ein Gerichtsprozess, wie ihn bespielsweise Saddam Hussein oder die noch gefassten Nazisoberhäupter 1946 – die allerdings als Staatsführer angeklagt werden konnten – erhielten, eine ungewollte Aufwertung des Status bin Ladens nach sich ziehen. Und natürlich kann man (aus Sicht der USA) lapidar formulieren: der Feind Al-Qaida richtet sich (auch) nicht nach den rechtsstaatlichen Grundsätzen.
    Natürlich sollte letzteres nicht der Anspruch der Supermacht sein. Deswegen kann man da hinein das Ende der Pressefreiheit oder eine neue Weltordnung deuten. Trotzdem gilt es in diesem Zusammenhang immer differenziert zu schauen. Zum Beispiel sind die Menschenrechtsverletzungen in Guantanamo von westlichen Medien NICHT legitimiert, sondern enthüllt und kritisch betrachtet worden.
    Was ist die Ermordung also? Menschen rechtlich bedenklich – selbstverständlich! Im weltpolitischen Sinne allerdings ist es „nur“ die Zerstörung einer Symbolfigur, die zum jetzigen Zeitpunkt – aus Sicht der westlichen Welt – gut gewählt ist. Ob diese Entscheidung klug war, dies wird der Ausgang der Demokratiebewegungen in der arabischen Welt (Tunesien, Libyen, Ägypten, Jemen, Syrien…) zeigen.


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