Propaganda: "Bin Ladens Bart ist echt, das Video nicht"

Echt oder gefälscht?

Kurz nach den Anschlägen des 11. Septembers 2001 hat George W. Bush der Welt ein Video präsentiert, das als schlagender Beweis für die Mittäterschaft Osama Bin Ladens gepriesen wurde. Seitdem tauchen in unregelmäßigen Abständen „Video-Botschaften“ des „Terrorfürsten“ auf. Doch woher wissen wir, ob sie echt sind? Die privaten US-Firmen „Site“ und „IntelCenter“ haben sich spezialisiert auf den medialen Anti-Terror-Kampf, indem sie das Netz nach Botschaften von Al Quaida und Co. durchforsten. Spiegel Online schreibt in einem Artikel vom 4. August 2008:

Praktisch jede im Internet veröffentlichte Ansprache von Osama Bin Laden, um nur ein Beispiel zu nennen, wird zuerst von Site und IntelCenter öffentlich gemacht. Sie finden sie im Gewirr der Qaida-nahen Web-Sites, senden in Sekunden erste Screenshots an ihre Abonnenten, fassen die Reden innerhalb von Minuten zusammen und verschicken innerhalb von Stunden die Übersetzung, schließlich Analysen. Da kaum Nachrichtenagenturen, Zeitungen oder Magazine in der Lage sind, diese Informationen selbst zu beschaffen oder zu prüfen, landen die Übersetzungen oft eins zu eins in den Medien.

Angebliches Bekennervideo:

Gegründet wurde Site 2002 von Rita Katz und Josh Devon. Der Name steht für „Search for International Terrorist Entities“ (Fahndung nach internationalen terroristischen Einheiten). Seit 2008 agiert die Firma als „SITE Intelligence Group“ von Bethesda, nahe Washington, aus als kommerzielles Unternehmen. Die Ziele umreißt Site mit deutlichen Worten:

Wie die öffentlichen Anhörungen der 9/11-Untersuchungskommission in beunruhigender Weise klargemacht haben, ist die US-Regierung bislang nicht voll ausgerüstet, um den Krieg gegen den Terror zu gewinnen.

Direktorin Rita Katz hat schon vor 2001 Mitarbeiter im Weißen Haus, darunter Richard Clarke, sowie das Justizministerium, Finanzministerium und das Department of Homeland Security mit Informationen versorgt. Die Organisation wird teilweise direkt von der US-Regierung bezahlt.
Die Firma IntelCenter wurde bereits 1989 von Ben Venzke gegründet. Ihr Betätigungsfeld formuliert sie nach eigenen Angaben wie folgt:

Die Herausforderungen, denen sich die Fachleute aus den Bereichen Aufklärung, Terrorismusbekämpfung und der Erst-Reaktionskräfte gegenübersehen, steigen exponentiell an, da die Fähigkeit einiger Einzelpersonen, unter der Zivilbevölkerung große Opferzahlen und Zerstörung herbeizuführen, forciert zunimmt. […] Wir können das Land, in dem Terroristen operieren, feindselig für deren Aufenthalt machen. Wenn der unausweichliche Tag kommt und ein Angriff erfolgt, werden wir in der Lage sein zu antworten und Leben zu retten. […] Seit mehr als 16 Jahren sind die Angebote von IntelCenter und ihrer Schwesterfirma Tempest Publishing, so gestaltet worden, dass sie die Fachleute durch die Förderung dieser Zielsetzung unterstützen.

Abnehmer der Informationen sind Militär, Strafverfolgungsbehörden, Geheimdienste – und Medien. Besonders brisant ist die Nähe von IntelCenter zu den Geheimdiesten. Firmengründer Venzke war zeitweise Vizepräsident für Industrie bei der National Military Intelligence Association (NMIA), einer Vereinigung für Mitarbeiter aus den Militärgeheimdiensten der USA.
Aus der Kenntnis der beiden Firmen Site und IntelCenter speisen sich die von weltweiten Medien ungeprüft übernommenen Berichte über Videos führender Terroristen. Inzwischen werden immer mehr Zweifel an der Authentizität der Videos laut. Der Computerexperte Neal Krawetz hat am Beispiel einer Botschaft Osama Bin Ladens im September 2007 gegenüber Cnet news von augenscheinlichen Manipulationen geprochen.

Dies ist die gleiche Kleidung, die er im 2004-10-29 Video getragen hat,

bemerkt er und stellt zudem fest:

Sein Gesicht hat sich nicht verändert in den vergangenen drei Jahren – nur der Bart ist dunkler und der Kontrast wurde verändert.

Außerdem sei das Video offensichtlich aus verschiedenen anderen zusammengesetzt worden.
Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, welchem Video man überhaupt Glauben schenken sollte. Auch das Ende 2001 vom US-Militär im afghanischen Jalalabad in einem verlassenen Haus gefundene Al Qaida-Video, das Bush als schlagenden Beweis für die Schuld Bin Ladens propagiert hat, wirft Fragen auf.

Dieses Video wird viele Augen öffnen. Die Welt wird sehen, dass man es mit einem Grad des Pathologischen zu tun hat, der sehr, sehr pervers und krank ist,

kommentierte US Senator Ron Wyden gegenüber BBC.

Der Investigativjournalist und ehemalige Mitarbeiter des US-Militärgeheimdienstes Jeff Stein äußerte am 25. Mai 2010 in der Washington Post, dass er von CIA-Agenten bizarre Pläne erfahren habe. So sei ein Fake-Video geplant gewesen, das Bin Laden am Lagerfeuer zeigt, Alkohol trinkend und über Liebschaften mit Männern prahlend. Auch seien vor der Irak-Invasion Videos geplant worden, die Saddam Hussein bei sexuellen Handlungen mit Minderjährigen zeigen. Die Bandbreite an Täuschungsmöglichkeiten durch manipulierte Videos kennt offenbar keine Grenzen. Die Skrupellosigkeit von Regierungen und Geheimdiensten und die Fahrlässigkeit von Medien im Umgang mit solchen „Beweismitteln“ erfordern eine angemessene Skepsis, um nicht Opfer schamloser Propaganda zu werden.

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