US-Terrorermittler vermutet „false flag“ im Vorfeld von 9/11

Nach 14 Jahren der Geheimhaltung wurden vom US-Kongress nun Dokumente veröffentlicht, die ein neues Licht auf die Ereignisse des 11. Septembers 2001 werfen. Es handelt sich um 28 Seiten des „Report of the U.S. Senate Select Commitee on Intelligence and U.S. House Permanent Select Commitee on Intellicence“ vom Dezember 2002. Das Schriftstück erschien noch vor dem „9/11 Commission Report“ . Zu verdanken haben wir die Veröffentlichung zwei US-Senatoren: dem Republikaner Walter Jones und dem Demokraten Stephen Lynch, die seit Jahren die Aufhebung der Geheimhaltung fordern. Der Seite abc news gegenüber hat sich der ehemalige US-Chef-Koordinator für die Terrorabwehr Richard Clarke nun über die „28 Seiten“ geäußert und explizit die Möglichkeit einer „false flag“-Mission, die zu den 9/11-Anschlägen führte, geäußert. Nur so kann er sich erklären, dass die CIA trotz fundierter Erkenntnisse über den Aufenthalt mehrerer 9/11-Attentäter auf US-Boden entscheidende Informationen nicht ans FBI und die US-Regierung weitergegeben hat.

Im Fokus der „28 Seiten“ steht ein damals in den USA lebender und arbeitender saudischer Staatsbürger namens Omar al-Bayoumi. Obwohl dieser in regelmäßigem Kontakt mit zwei der 9/11-Flugzeugentführer stand, wird er im „Commission Report“ als integer und unverdächtig beschrieben:

Bayoumi, then 42 years old, was in the United States as a business student, supported by a private contractor for the Saudi Civil Aviation Authority, where Bayoumi had worked for over 20 years. […] Bayoumi is a devout Muslim, obliging and gregarious. […] Our investigators who have dealt directly with him and studied his background find him to be an unlikely candidate for clandestine involvement with Islamist extremists.

Ganz anders sehen ihn allerdings die „28 Seiten“ des Senatsreports. Schon seit 1999 ging das FBI demnach Hinweisen nach, Bayoumi könnte ein saudischer Geheimdienstmitarbeiter sein. Als die beiden 9/11-Täter Khalid al-Mihdar und Nawaf al-Hazmi im Februar 2000 in San Diego landeten, hat Bayoumi ihnen geholfen, eine Wohnung zu finden und sich in den USA einzuleben. Er stand zugleich in regem Kontakt mit verschiedenen saudischen Behörden in den USA. Während der 9/11-Ermittlungen fand das FBI nun heraus, dass die Verbindungen al-Bayoumis zur saudischen Regierung noch enger waren als vermutet und er zugleich Sympathien zum Jihadismus hegte. Er habe in regelmäßigem Kontakt gestanden zum „Emir at the Saudi Ministry of Defense“, der für die Flugüberwachung zuständig ist. Vom saudischen Finanzministerium soll er einmalig 20.000$ überwiesen bekommen haben. Die Firma, für die er angeblich arbeitete, zahlte ihm zwar monatlich einen Lohn, er ließ sich dort aber so gut wie nie blicken. Das FBI fand heraus, dass sie beim saudischen Verteidigungsministerium unter Vertrag stand. Er stand in regelmäßigem Kontakt mit der saudischen Botschaft in Washington, saudischen Konsulaten und anderen Behörden.

Clarke stellt die Überlegung auf, ob der wahre Grund dafür, dass wichtige Indizien von der CIA nicht weitergegeben wurden, darin liegen könnte, dass Bayoumi ein saudischer Agent war, der Al-Qaida im Auftrag der CIA infiltrieren sollte. So hätten saudischer Geheimdienst und CIA die beiden Attentäter bereits als Jihadisten entlarvt und gemeinsam observiert. Clarkes schlichte These lautet: Der saudische Bürger al-Bayoumi hat seine islamistische Ideologie vorgespielt, um das Vertrauen von al-Mihdar und al-Hazmi zu erlangen. Und das werde in Geheimdienstkreisen eine „false flag“- Mission genannt.

The CIA is not authorized to run intelligence operations in the U.S. Even if it were, most CIA employees would have had a hard time making friends with al-Mihdhar and al-Hamzi.

A fellow Saudi like al-Bayoumi, however, would stand a much better chance, especially if he pretended to be an al-Qaeda sympathizer acquainted with people like the radical imam al-Alwaki. In the parlance of the intelligence world, such approaches to potential sources of information, using false pretenses, are known as false flag operations. […]

Had FBI been informed, however, it very likely would have vetoed the idea and moved quickly to arrest the two men.

Diese „false flag“-Mission wäre also aufgeflogen, hätte die CIA ihre Informationen weitergegeben. Dass sie am Ende gescheitert ist, wie am 11. September 2001 die Welt mit Schrecken erleben musste, wäre dann nur ein bedauerliches Scheitern einer großangelegten Infiltration gewesen.

Die These von Clarke passt nicht so recht zu weiten Teilen der „28 Seiten“. Dort entfaltet sich ein Panorama verschiedenster Verwicklungen des saudischen Königshauses, der saudischen Regierung und des saudischen Geheimdienstes mit einem Netzwerk von radikal-wahabitischen Organisationen in aller Welt. Dass es nur darum gegangen sei, terroristische Aktivitäten zu verhindern, mag glauben wer will. Die deutschen Medien schweigen zu den „28 Seiten“ übrigens weitgehend, und dem Auswärtigen Amt liegen „keine Erkenntnisse darüber vor“ , dass offizielle Stellen Saudi-Arabiens in die Finanzierung der 9/11-Anschläge involviert waren.

Die Lebenslügen des „Pegida“-Frontmannes

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Lutz Bachmann (Copyright DPA)

Während sich eine wachsende Gruppe xenophober Mittelstandsbürger jeden Montag zu Tausenden in Dresden als „Pegida“ – „Patriotische Europäer gegen Islamisierung des Abendlandes“ trifft, um ihre angsterfüllten Vorurteile und Halbwahrheiten zu skandieren, tritt auch der Frontmann Lutz Bachmann zunehmend in den Fokus des medialen Interesses. Sein Lebenslauf verrät keineswegs den Werdegang eines um europäische oder gar christliche Werte besorgten Bürgers mit weißer Weste. Aufgrund zahlreicher Einbrüche und Diebstähle im Auftrag des Rotlichtmilieus hatte er, wie er der BILD-Zeitung gestand, eine Haftstrafe abzusitzen, vor der er 1997 nach Südafrika floh. Erst im Jahr 2000 kehrte er zurück, stellte sich den Behörden und ging für 6 Monate ins Gefängnis. Auch für Kokainbesitz musste er sich vor Gericht bereits verantworten.

Inzwischen ist bekannt geworden, dass Bachmann, der auf der Homepage seiner Werbe- und Fotoagentur „hotpepperpix“ mit der engen Zusammenarbeit mit dem Axel Springer Verlag prahlt, in Wahrheit nur als Leserreporter für die BILD tätig war. Seine Referenzen lassen außerdem den Schluss zu, dass er dem Rotlichtmilieu niemals den Rücken zugekehrt hat. Werbeprospekte für eine Tabledance-Nachtbar und einen Erotikclub sowie mehrere Fotos leichtbekleideter Frauen repräsentieren sein Oeuvre.

Eine kurze Suchmaschinen-Recherche führte mich zu einem weiteren Fall mutmaßlicher Bachmannscher Hochstapelei. So gibt er auf seiner LinkedIn-Seite an, zwischen den Jahren 1998 und 2000 ein Diplom in „Grafik & Design“ an der Universität von Kapstadt erworben zu haben. Diese Angabe muss vehement in Zweifel gezogen werden, denn während dieser Zeit hielt sich Bachmann in Südafrika auf, um der deutschen Justiz zu entkommen. Den Studiengang „Grafik & Design“ bietet die Universität zudem genauso wenig an wie „Diplom“-Abschlüsse.

Schlussendlich lässt sich konstatieren, dass Lutz Bachmann nicht nur wegen seiner islamophoben und demagogischen Neigung, sondern auch aufgrund einer maßlos aufgebauschten Selbstdarstellung ein Mensch von zweifelhaftem Charakter ist und sich keineswegs als Repräsentant der „Mitte der Gesellschaft“ eignet. Leider haben Charaktere seines Kalibers schon in der Vergangenheit Menschenmassen gegen Minderheiten aufhetzen können. Fürs neue Jahr wünsche ich mir, dass die sogenannte „Pegida-Bewegung“ an ihrer Ideen-, Ziel- und Sinnlosigkeit zugrunde gehen wird und sich Lutz Bachmann wie seine mitmarschierende Tausendschaft auf die wahrhaft christlichen und europäischen Werte besinnen werden, anstatt ein unheilvolles nationalistisches Deutschtum durch platte Parolen erzwingen zu wollen.

Die gefährliche These des Gunnar Heinsohn

Gunnar Heinsohn

Gunnar Heinsohn

Was wäre wohl geschehen, wenn Gunnar Heinsohn seinen Artikel in der FAZ statt im Wall Street Journal veröffentlicht hätte? Der Leiter des Raphael Lemkin Instituts für Xenophobie und Genozidforschung vertritt eine Grundüberzeugung, die ihm geradezu als Welterklärungsformel dient und die auch auf dem Büchermarkt reißenden Absatz erfuhr. Heinsohn glaubt nämlich die Ursache für Krieg und Gewalt entdeckt zu haben: in sogenannten „youth bulges„. Diese demographischen „Jugendbeulen“ sind dann gegeben, wenn die 15-24 Jährigen mindestens 20% der Gesellschaft ausmachen. Dann wird es nach Heinsohn ungemütlich, dann nämlich leben die überschüssigen jungen Männer ihre Energie in Krieg und Terror aus. Um seine Theorie zu untermauern, greift er auch weit in die Geschichte zurück: So vertritt er in einem seiner Bücher die umstrittene These, die Hexenverfolgung habe in Wahrheit auf Methoden der Verhütung gezielt, die den Kräuterfrauen noch bekannt waren. Erst durch ein Verhütungsverbot habe Europa es zur Weltmacht geschaft, durch eine „youth bulge“ natürlich.

Nun hat Heinsohn einen Artikel für das Wall Street Journal geschrieben mit dem Titel „Ending the West’s Proxy War Against Israel. Stop funding a Palestinian youth bulge, and the fighting will stop too.“ Seine zynische Argumentation lautet zusammengefasst: Indem das UN-Flüchtlingshilfswerk für Palästina UNRWA, das zu gut 80% von den USA und der EU finanziert werde, den notleidenden Bewohnern des Gazastreifens humanitäre Hilfe zukommen lasse, betreibe der Westen einen Stellvertreterkrieg gegen Israel. Denn damit füttere man die „youth bulge“ und schaffe ein neues Heer von Kämpfern gegen Israel. In Gunnar Heinsohns Weltbild sind palästinensische Jugendliche ausschließlich zukünftige Kämpfer.

Some 230,000 Gazan males, aged 15 to 29, who are available for the battlefield now, will be succeeded by 360,000 boys under 15 (45% of all Gazan males) who could be taking up arms within the coming 15 years.

Um Israel vor dieser Gefahr zu bewahren, schlägt Heinsohn vor, innerhalb der kommenden 15 Jahre 200.000 Palästinenser in den USA oder der EU aufzunehmen, „that would be a negligible move for the big democracies but a quantum leap for peace in the Near East.“

Es sollte nachdenklich stimmen, dass Gunnar Heinsohns These nicht nur im Kreise der Sarrazin-Leser auf positive Resonanz stößt. So fordert er, dass das Elterngeld in Deutschland für arme Familien gestrichen wird. Heinsohn hält auch Vorträge für den Bundesnachrichtendienst (BND), die Bundesakademie für Sicherheitspolitik, die britische Armee und die NATO.

Totalüberwachung = totale Kontrolle = Totalitarismus

das netzWenngleich wir seit den Enthüllungen Edward Snowdens regelmäßig über die Zumutungen verfassungswidriger Überwachung durch US-amerikanische, britische und deutsche Geheimdienste informiert werden, wurde in der Presse nur selten Substanzielles darüber geschrieben. Das bequeme Märchen über die Terrorabwehr mag glauben wer will. Sogar der ansonsten so kritische Cicero legt eine erschreckende Naivität und Ahnungslosigkeit an den Tag, wenn er den Überwachungsgegnern großer Leitmedien wie der FAZ gar einen neuen gefährlichen anti-amerikanischen Konservatismus nachsagt und die Internetkonzerne gegen jeglichen Angriff in Schutz nimmt:

Die Internet-Konzerne haben keinen Welteroberungsplan. Sie planen keinen „neuen Menschen“, höchstens neue Umsätze und Marktanteile. Man kann ihnen vielleicht Naivität, extremen kapitalistischen Pragmatismus und Technikfetischismus vorwerfen, aber sicher keine ideologische Verblendung. Sie sind, ganz einfach, neugierig auf das, was mit Technik noch alles möglich sein wird und wie man damit Geld verdienen kann. […]

Neugierig zu sein und zu bleiben ist aber der Motor von Erkenntnis und gesellschaftlicher Entwicklung. Es ist der erklärte Auftrag der Aufklärung, neue Technologien zu nutzen und sozial zu strukturieren, um sie in den Dienst der Neugierde zu stellen. Das Netz ist eine Maschine des Staunens. Und als solches sollte es gesehen und diskutiert werden.

Sollten wir also mit den Staunen erregenden neuen Technologien in blinder Bejahung auch die damit einhergehende Totalüberwachung akzeptieren? Nein, diese Haltung zeugt von einer völligen Unkenntnis der Tatsachen. Auf den Punkt gebracht hat es Sascha Lobo, warum wir eigentlich überwacht werden:

Im beginnenden Kalten Krieg ordneten die westlichen Machtzentren fast alles einer militärischen Logik unter. Eine Ideologie der Kontrolle entstand, eine Pervertierung der Kybernetik. Wenn man aus den Daten der Vergangenheit Verhalten der Zukunft vorhersagen kann, lässt sich die ganze Gesellschaft kybernetisch steuern, indem der Staat mit Anreizen und Sanktionen das berechnete Verhalten beeinflusst. […]

Leider sind weite Teile der Politik und Verwaltung überzeugt davon, dass sowohl Erfolg wie auch Misserfolg die Anwendbarkeit der kybernetischen Gesellschaftssteuerung beweisen. Im Erfolgsfall funktioniert die Methode, im Misserfolgsfall hatte man leider zu wenig Daten. Und braucht deshalb mehr Daten. Also mehr Überwachung.

Das ist der Kern der Totalüberwachung. Es geht um die kybernetische Steuerung der Gesellschaft, um Kontrolle.

Zwar ist die Kybernetik inzwischen zu einer Metawissenschaft aufgestiegen, von der kaum eine Disziplin unberührt ist. Dennoch bleibt es den meisten Menschen aufgrund völliger Unkenntnis verborgen, mit welchem totalitären Anspruch unaufhaltsam die Welt und der Mensch gleichermaßen systemkonform, das heißt steuerbar, gemacht werden.

Im folgenden möchte ich einen hervorragenden Film zum Thema Kybernetik und Überwachung empfehlen. Vor gut zehn Jahren hat der Dresdner Kunstprofessor Lutz Dammbeck die Dokumentation „Das Netz“ gedreht. Dort begibt er sich ins amerikanische Epizentrum der 68er-Revolte und enthüllt die Zusammenhänge von Hippies, LSD und Computertechnologie. Der eigentliche Motor dieses soziokulturellen Versuchslabors waren vom Militär finanzierte Forschungen, die auf die Schaffung eines „neuen Menschen“ zielten. Vorgeblich als Reaktion auf die grausamen Folgen des Nationalsozialismus sollte eine Gesellschaft geschaffen werden, die immun gegen jegliche Form von Faschismus ist. Das New Yorker „Institute for Social Research“ schien die Lösung dafür gefunden zu haben. 1950 wurde u.a. von Theodor W. Adorno eine Studie mit dem Titel „Studies in the Authoritarian Personality“ veröffentlicht, das damals umfassendste Sozialprofil einer Gesellschaft. Dammbeck fasst die Ergebnisse zusammen:

Die Ursache [für totalitäres Verhalten] sehen die Autoren in der autoritären Matrix des Menschen, die den Schlüssel zur Psychologie des Faschismus und totalitärer Systeme überhaupt bietet. Diese Matrix bildet sich durch Erziehung und Tradition und ist scheinbar unauflösbar verbunden mit der metaphysischen Vorstellung von einer übernatürlich geschaffenen Natur. […] Um Faschismus und Antisemitismus für immer zu verhindern, scheint es notwendig, die Natur des Menschen und dessen kulturelle Muster so zu verändern, dass diese autoritäre Matrix für immer verschwinden würde. […] Nach dem Gestaltpsychologen Kurt Lewin, einem Mitglied der Macy-Gruppe, müssen dafür zuerst die alten Werte und Gleichgewichte zerstört werden, um die Verhältnisse „flüssig“ zu machen. Dann können neue Werte und Gleichgewichte etabliert werden. Diese müssen dann durch Selbstregulierung dauerhaft befestigt werden, Umerziehung soll in Selbstumerziehung übergehen. Das wird die Welt in eine postnationale, multiethnische Weltgesellschaft ohne festgeschriebene Grenzen verwandeln. Die erforderlichen Werkzeuge und Baupläne für diese neue Weltordnung glaubt die Macy-Gruppe anbieten zu können: neue und schnellere Rechenmaschinen und kybernetische Modellwelten, mit denen alle Bereiche von Wissenschaft, Kultur und Politik kontrollier- und steuerbar erscheinen. Das verspricht auch die Programmierung „neuer Menschen“, antiautoritäre Menschen nach Maß.

Auch wenn Politik, Wissenschaft und Medien davor zurückschrecken, die wahren Gründe für die völlig ausufernde, alle Grenzen von Rechtsstaatlichkeit und demokratischen Grundprinzipien sprengende Totalüberwachung auszusprechen: Dank Edward Snowden wird mit jahrzehntelanger Verspätung ein öffentlicher Diskurs geführt werden müssen. Ein Diskurs über einen Geheimdienst- und Militärapparat, der im Verborgenen agiert, um auf schändliche Weise ganze Bevölkerungen zu belügen, auszuhorchen und mit Krieg und Terror zu bedrohen. Das Ziel war niemals die Verhinderung von Faschismus oder Fundamentalismus. Vielmehr ist das Ziel eine neue Form von Totalitarismus, in der Wirtschaft, Politik, Wissenschaft und Medien zu einem Machtinstrument ungeahnten Ausmaßes verschmelzen. Die Zahl derer mag heute noch gering sein, die das System kybernetischer Massenkontrolle zu erkennen bereit sind. Dank Snowden und anderen mutigen Menschen, die solche von Staaten begangene Verbrechen aufdecken, werden wir aber mehr und mehr Klarheit gewinnen.

Wie die Freimaurer die westlichen Werte erfanden

jaeger_grossen orientÜber das Wirken der Freimaurerei hinter den Fassaden der Politik hüllt sich die deutsche Presse gemeinhin in Schweigen. In Frankreich geht man weitaus freizügiger mit dem Thema um. Dort treten Größen der Politik ganz selbstverständlich als Redner bei Veranstaltungen z.B. des Grand Orient auf, der einflussreichen französischen Großloge. Sucht man in der deutschen Presselandschaft kritische Informationen über die Freimaurer, dann kann man sie am ehesten bei deren traditionellem Erzfeind finden: der katholischen Kirche. So lässt die papsttreue Nachrichtenseite katholisches.info verlautbaren, dass rund ein Drittel der Minister unter dem französischen Staatspräsidenten François Hollande Freimaurer sind. Unversöhnlich steht die Kirche den geheimbündlerischen Machenschaften der Logen gegenüber, seit ihr diese die Deutungshoheit über den Wertekanon des Abendlandes entrissen haben. Bis heute gelten die „fünf Grundpfeiler der Freimaurerei“, Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit, Toleranz und Humanität, wie selbstverständlich als ewig gültige westliche Werte, in deren Namen auch Krieg und Folter gegen sogenannte „Feinde der Menschlichkeit“ gerechtfertigt werden.

Lorenz Jäger, Redakteur im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, hat 2009 ein Buch veröffentlicht mit dem Titel „Hinter dem Großen Orient. Freimaurerei und Revolutionsbewegungen“. Darin spannt er einen weiten Bogen von der Französischen Revolution bis in die Gegenwart, liefert biographische Skizzen und wagt einen tiefen Blick hinter die Kulissen der revolutionären Bewegungen. Die Säkularisierung ohne die Freimaurer zu begreifen, hieße, sie gleichsam als naturgesetzliches Wirken misszuverstehen. In Wahrheit strebten die Logen zielstrebig einen Fundamentalumbau der westlichen Zivilisation an, beginnend mit der Verweltlichung der christlichen Moral. So konstatiert Jäger:

Es handelte sich im achzehnten Jahrhundert darum, Religion durch Moral zu ersetzen. Die Frömmigkeit wurde privat, öffentlich wurde die „Tugend“. (14)

Was die Französische Revolution sich auf die Fahnen schrieb und was fortan den Grundstock der „westlichen Werte“ bilden sollte, findet sich vorformuliert in den exklusiven Zirkeln der Logen.

Habermas hat den Logengedanken bündig formuliert: „Die soziale Gleichheit war zunächst nur als eine Gleichheit außerhalb des Staates möglich.“ Indem sie, jedenfalls dem Programm nach, keine Konfession ausschlossen, waren die Freimaurer für humanitär-universalistische Ideen offen. (15)

Doch diese Werte galt es auch innerhalb des Staates zu etablieren, nachdem die traditionellen beseitigt wären. Als ein staatenübergreifendes Netzwerk boten die Logen Revolutionären unterschiedlichster Nationalität und Gesinnung die Möglichkeit, miteinander in Kommunikation zu treten:

Im neunzehnten Jahrhundert bestanden zwischen den Protagonisten der radikalen, republikanischen, demokratischen und sozialistischen Bewegungen einerseits und den Freimaurern andererseits enge Beziehungen. Sieht man es von der Seite der Politisch-Oppositionellen her, die meist auch scharf antiklerikal eingestellt waren, dann bot die internationale Gemeinschaft der Freimaurer eine europaweite, bis nach Rußland reichende Infrastruktur der Kommunikation, die ihnen die Kontaktaufnahme zu möglichen Sympathisanten, sei es in Italien, in Polen, in Frankreich oder in Großbritannien, erlaubte. (22)

Die berühmte Parole „Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit“ deckte genau wie die präferierten politischen Ausrichtungen der revolutionären Akteure ein hohes Maß an Deutungsspielraum ab:

„Freiheit“ konnte Liberalismus bedeuten und, durch das Geheimnis geschützt, auch Anarchismus. „Gleichheit“ konnte für Rechtsstaatlichkeit und für gleiches demokratisches Wahlrecht stehen oder für Sozialismus; „Brüderlichkeit“ für nationale Solidarität der Republik, oder für eine frühe Form der globalistischen Ideologie […] oder für die Bruderkette der Eingeweihten selbst. Dieses Schillern ist die Freimaurerei des neunzehnten Jahrhunderts. Vom fortschrittlichen Bürgertum bis weit in die Linke hinein vereinigt sie die Kader der Republik. (22)

Für Jäger steht es außer Frage, dass die Freimaurer eine immense Bedeutung für die Koordinierung revolutionärer Umstürze besessen haben:

Die Freimaurerei diente den Revolutionsbewegungen teils als Rekrutierungsraum, teils als Kommunikationsnetzwerk; manchmal als Rückzugsbasis und manchmal als Versteck, als Stützpunkt legaler Deckung. Nirgendwo hat sich wie in Frankreich, und von dort ausgehend dann auch in den anderen Ländern der Romania, der Zusammenhang von Ideologie der Republik, Antiklerikalismus und Freimaurerei so deutlich hergestellt. (24)

Am Ende des Buches wagt es Jäger, die mögliche Absicht hinter den freimaurerischen Bestrebungen, einen revolutionären Wandel der Gesellschaft herbeizuführen, zu erahnen, sowie die Gefahren abzuschätzen:

Alle Tendenzen, die wir beobachtet haben, kommen in der Vorstellung der Emanzipation, der „Befreiung“ überein. Zieht man die Linien des freimaurerischen Gedankens aus, dann steht am Ende die völlig autonom gewordene Menschheit. Aber zugleich wäre sie dann unausweichlich einer geheimen Leitung unterworfen, einem verschwiegenen Kreis, zu dessen innersten Lehren kein Uneingeweihter Zugang haben darf, der durch eine Omertà nach Außen [sic!] geschützt wäre und die Erforschung seiner Soziologie proskribieren könnte. (136)

Diese Befreiung ist folglich belastet durch einen gravierenden Mangel. Mittels ihrer heimlichen Steuerung aus den abgeschirmten Kreisen der Logen heraus überführt sie die Staaten in eine neue Form des Totalitarismus:

Man hätte, in äußerster Konsequenz, eine Herrschaftsform, gegen die gehalten vielleicht selbst die historischen Totalitarismen verblassen würden. Die Souveränität einzelner Staaten wäre beschränkt durch einen „Völkerbund“, den schon Georg Forster antizipierte. Der kirchliche Einfluß, der noch über den sowjetisch bestimmten Kommunismus siegte, wäre vollends ausgeschaltet; die Gemeinschaften in Individuen atomisiert. Damit wäre die Möglichkeit der Resistenz zunichte gemacht. (136)

In den meisten Geschichtsbüchern werden die „westlichen Werte“ als Errungenschaft der Aufklärung bezeichnet. Doch man kann sie ebenso gut „freimaurerische Werte“ nennen, zumal die einflussreichsten Vertreter der Aufklärung Freimaurer waren. Spätestens die nachweislich auf Lügen basierenden Kriege der USA gegen Afghanistan und den Irak im Namen ebendieser „Werte“ neben zahlreichen weiteren „humanitären Interventionen“ sollten Zweifel aufkommen lassen. Fahrlässig werden hehre Ideale dafür instrumentalisiert, Terror und Krieg zu verbreiten. Tatsächlich befindet sich die „westliche Wertegemeinschaft“ in einer tiefen Vertrauenskrise. Es ist höchste Zeit, die Mächte hinter der Macht in Augenschein zu nehmen.

Sigmund Freud und die Werbeindustrie

gmelin_coverSeit Sigmund Freud 1890 die Psychoanalyse entwickelt hatte, kamen seine Erkenntnisse über die menschliche Psyche zumeist anderen Interessen als medizinischen zugute. Einer der Freud’schen Erben ist die Werbeindustrie. Sie entwickelte Strategien, die menschliche Triebnatur als einen Motor der Profitmaximierung auszunutzen. Dafür wurden eigens Trieblisten und Instinkt-Katalolge ausgearbeitet, anhand derer die Werbung je nach gewünschter Zielgruppe die beste Angriffstaktik entwickeln konnte. Otto F. Gmelin hat sich dieser Thematik in seinem 1975 erschienenen Buch „Anti-Freud. Freuds Folgen in der bildenden Kunst und Werbung“ angenommen. Kurz und prägnant nennt er die stärkste Waffe aller Werbestrategen:

Waren werden über sexuelle Versprechen symbolisch vermittelt.

Zugrunde liegt die Auffassung, dass der Mensch kulturbedingt seine Triebe nur rudimentär ausleben kann. Die Warenwelt, der Konsum, bieten ihm beinahe grenzenlose Ersatzbefriedigungen. Gmelin nennt es

programmierte Koitusumleitung über Markenartikel. Güter und Produkte erscheinen „zwischengeschaltet“ zwischen Trieb und Triebziel, treten an seine Stelle. […] Der Konsumaspekt der Sexualität steht in Relation zum kulturspezifisch erzeugten Mangel  der Bedürfnisbefriedigung.

Im Interesse der Absatzsteigerung forderten Industrielle damals präzise Erklärungsmodelle für menschliches Verhalten. Als „angewandte Sozialtechnik“ zielt die Werbeindustrie auf eine größtmögliche Kopplung von Triebbedürfnissen und Bildsymbolen an Waren. Zugleich werden durch die Werbung idealtypische Rollenmuster vermittelt, die den gewünschten Konsumenten gleichsam zu formen beabsichtigen. In einer Marketing-Studie von 1967 erfolgten die Rollenzuweisungen innerhalb einer „Nestwärme-Strategie“:

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Zugrunde liegt die Annahme, dass der Konsument seinen Lebensentwurf am Bestreben einer Erhaltung der „Nestwärme“ ausrichtet. Teil dieser Strategie ist das (möglichst eheliche) Zusammenleben von Frau uns Mann im eigenen Heim. Während der Mann für den Broterwerb sorgt, sehnt sich die Frau nach materieller Sicherheit. Dieses Modell gefällt nicht nur der Industrie, sondern auch dem Staat, denn jede Form von Protest und Gesellschaftskritik gilt unter diesen Bedingungen als gering ausgeprägt.

Mangelhaft ausgeprägt ist alles, was Selbstentfremdung durch Produkte aufheben und Beweglichkeit fördern könnte.

Schon damals wurden Kinder und Jugendliche als wichtige Zielgruppe der Werbung erkannt. Sie sind weitaus anfälliger für Werbebotschafen als Erwachsene, da sie sich in einer labilen Phase der Persönlichkeitsentwicklung befinden und Rollenmuster deshalb bereitwilliger übernehmen. Gmelin schildert das Vorgehen:

Sobald das Kind Geld hat – die 10-19jährigen geben heute Milliardenbeträge aus -, werden die vorhandenen Leitbilder der Kauf-Zielgruppen ermittelt, d.h. repräsentative Schlüsselbegriffe, die positiv besetzt (bewertet) sind. Dann wird Ware mit Bedürfnis gestalt-, farb-, symbol- usw. -psychologisch assoziiert. Aufgrund der empirischen Testergebnisse werden Produktion und Konsum identisch gemacht, mittels Symbol- und Medienstreuung „optimiert“.

Die Relation zwischen Freud’scher Psychoanalyse und Werbeindustrie lässt sich wohl ohne Übertreibung wie folgt bewerten: Letztere hat die Absichten ersterer mutwillig in ihr Gegenteil verkehrt. Anstatt den Menschen zu heilen, ist dessen kulturbedingte Schwäche systematisch und skrupellos ausgenutzt worden.

Werbung – imperative, appellative, übertriebene, schein-reale, gefühlsbetonte, romantische, emotionale, unterschwellige, informative, aufklärerische – hat keine sozialtherapeutische oder emanzipatorische Aufgabe; ihr Grundcharakter ist Überredung und Manipulation.

Zwar hat schon in den 70er Jahren der Gesetzgeber der Werbeindustrie Grenzen gesetzt – so wurde schon damals z.B. Tabakwerbung im Fernsehen verboten -, doch insgeheim dürfte auch der Staat immer ein großes Interesse an der Formung eines konsumorientierten Menschen besessen haben. Denn die mittels der Werbung propagierten Rollen- und Gesellschaftsideale hatten einen immensen systemstabilisierenden Nutzen, besonders angesichts der damaligen Herausforderungen durch eine rebellierende und nach Emanzipation strebenden Jugend.


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