Klimaschutz als Dogma

Der Spiegel berichtet heute über einen Eklat um den Klimaforscher der Bundesregierung Stefan Rahmstorf. Folgendes ist vorgefallen: Die Journalistin Irene Meichsner hatte für die Frankfurter Rundschau einen kritischen Artikel bezüglich des UNO-Klimaberichts, kurz IPCC-Report, veröffentlicht. Dort mokiert sie sich darüber, dass Dürre-Prognosen für Nordafrika in einem Kapitel des Berichts zu knapp belegt seien.

Das war Rahmstorf offenbar zu viel. Er griff in einem Blog Meichsner scharf an, warf ihr schlechte Recherche vor und bezichtigte sie, den IPCC-Report nicht gelesen zu haben. Nachdem er seine Beschwerden auch vor die Redaktion der Frankfurter Rundschau trug, wurde der Artikel aus dem Netz genommen. Freundlicherweise verlinkt Rahmstorf selbst jedoch auf den Kölner Stadtanzeiger, wo er tags zuvor erschienen war, jedoch später geringfügigen Änderungen unterzogen wurde. Der Satz

Darin wird auch behauptet, dass ganz Afrika von gravierenden Dürren heimgesucht werden wird. Diese These entbehrt jedoch jeder wissenschaftlichen Grundlage.

wurde wie folgt umgeschrieben:

Darin wird auch behauptet, dass weiten Teilen Afrikas gravierende Dürren drohen. Diese These ist jedoch wissenschaftlich nicht ausreichend belegt.

Im Februar hatte nun das Landgericht Köln der Journalistin Recht gegeben und Rahmstorf zur Unterlassung seiner Behauptungen verurteilt. Der Fall macht deutlich, wie sehr es in Fragen des Klimawandels inzwischen um eine dogmatische Auseinandersetzung geht. Rahmstorf ist dabei nicht irgendein Klimaforscher, sondern Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen (WBGU). Damit bekommt der Fall auch einen politischen Beigeschmack. Denn im WBGU wird aus den weltweiten Umweltproblemen eine klare politische Forderung abgeleitet, die man am besten im Hauptgutachten 2011 “Welt im Wandel: Gesellschaftsvertrag für eine Große Transformation” nachlesen kann. Dort heißt es etwa:

Die  WBGU-Analyse  zeigt  zudem,  dass  die  heute bestehenden Institutionen für die globale Politikgestaltung (global governance) nicht gut auf die Transformation vorbereitet sind.

Die “Große Transformation” ist durchaus wörtlich gemeint, denn die globalen Probleme, so der Grundtenor des Gutachtens, sei nur durch weltweit stattfindende politische Veränderungen erreichbar:

Hier geht es gleichermaßen um die Neuordnung der Märkte und die  Umgestaltung  institutioneller  Ordnungen  wie  um „harte“  technologische  Innovationen  und  „weichen“ soziokulturellen Mentalitätswandel. Ein solcher Transformationsprozess  wird  schließlich  gegen  zahlreiche Blockademechanismen  und  Beharrungskräfte  durchgesetzt werden müssen.

Von den erörterten Zukunftsszenarien bevorzugt wird in dem Gutachten

eine multipolar strukturierte Weltordnung, in deren Rahmen  sich  ein  geopolitischer  Machtwettbewerb zwischen  den  Polen  eines  „kalten  Friedens“  und eines „heißen Konflikts“ bewegt,

während der heute bestehenden multilateralen Ordnung

Defizite und Grenzen hinsichtlich  globaler  Problemlösungsfähigkeit  und  Handlungsmacht

bescheinigt werden. Als Worst Case-Szenarien werden einerseits eine

unipolare Hegemonialordnung, z. B. unter Führerschaft Chinas

angeführt, zum anderen

eine  fortschreitende  Erosion  weltpolitischer  Ordnung  in  Folge  gehäufter  politischer  Katastrophen (policy disasters) und globalen Politikversagens.

Angesichts dieser “höheren Ziele” mag es verständlich sein, dass Rahmstorf mit seiner Kritik an der Kritik so weit übers Ziel hinausgeschossen ist, dass sich Gerichte mit dem Fall beschäftigen mussten. Markus Lehmkuhl, der an der Freien Universität Berlin die Arbeitsstelle Wissenschaftsjournalismus leitet, hat klar Stellung bezogen. Unter dem Titel “Wahrheit und politische Agitation” schreibt er im “wpk-Quarterly” über den Fall:

Er bietet Anschauungsmaterial für den anmaßenden Mißbrauch des Wahrheitsbegriffes durch einen international bekannten Klimaforscher, der im Gewande des wissenschaftlichen Experten vorgeblich Wahrheit fordert, tatsächlich aber – einem politischen Agitator gleich – für das aus seiner Sicht Gute streitet.

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2 Responses to “Klimaschutz als Dogma”


  1. 1 Israel Devotie 26. Februar 2012 um 15:16

    Tricks zum Umweltschutz liefert die Seite http://respect-the-world.org. Mit einfachen Methoden sollte man Elektrizität und Wasser sparen und zudem die Welt schonen.


  1. 1 Forscherdisput: Grabenkampf um Klimawandel-Kriege | Germany News Online Trackback zu 24. Januar 2014 um 12:47

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